Gemeinschaftspastor Jürgen Wesselhöft

Andacht September

Ich komme ganz gut durchs Leben. Viele Entscheidungen waren gut, manche nicht so gut. Aber insgesamt passte es. Das Gebet gehört in unsere Familie und da werden auch die Dinge vorbereitet.

Der Beter eines Psalms sagt es so:

„Tu mir kund den Weg, den ich gehen soll; denn mich verlangt nach dir. “ Psalm 143,8

Einer, der ganz mit Gott unterwegs ist. Spannend finde ich, dass er Gott nicht zuerst um eine fertige Landkarte für sein Leben bittet. Er bittet um den nächsten Schritt: „Tu mir kund den Weg, den ich gehen soll.“ Das gefällt mir. Es geht nicht darum, schon heute alles über morgen zu wissen. Es geht darum, den Weg für den heutigen Tag zu erkennen.

Der zweite Teil des Verses berührt uns evtl. noch mehr: „Denn mich verlangt nach dir.“ Das ist eigentlich der Schlüssel. Der Beter sucht nicht in erster Linie einen einfachen Weg oder einen bequemen Weg. Er sucht Gott selbst. Weil er weiß: Wo Gott ist, da kann ich gehen. Auch wenn der Weg steinig wird. Auch wenn ich nicht alles verstehe.
Der Psalm erinnert mich daran, dass Vertrauen anders beginnt: Es beginnt mit der Sehnsucht nach Gott selbst. Wenn ich ihm nahe bin, verändert sich oft nicht sofort meine Situation – aber meine Perspektive. Aus Angst wird Zuversicht. Aus Unruhe wird Frieden. Aus der Frage „Wie soll das alles werden?“ wird das Vertrauen: „Du gehst mit.“ Dann ist Gott nicht nur ein Ratgeber, der die Lösungen für mich hat und die Schwierigkeiten aus dem Weg räumt.
Dieses Vertrauen ist keine naive Zuversicht. Es bedeutet nicht, dass alle Probleme verschwinden oder jeder Weg leicht wird. Es bedeutet vielmehr, dass ich mein Leben einem Gott anvertrauen darf, der den Überblick hat, wenn ich ihn verloren habe. Der weiter sieht, als ich sehen kann. Der mich kennt – mit meinen Stärken, meinen Grenzen und meinen Fragen.
Und natürlich erkenne ich manche gute Führung erst im Rückblick. Und Gottes Treue hängt nicht am perfekten Weg für mich, sondern an seiner Liebe zu mir.

Mich bewegt der Gedanke, dass Gott nicht nur den Weg zeigt, sondern ihn mitgeht. Er bleibt nicht am Ziel stehen und ruft von weitem: „Komm schon!“ Er begleitet mich Schritt für Schritt. Gerade darin liegt mein Vertrauen. Nicht in meiner Fähigkeit, alles richtig zu entscheiden, sondern in seiner Fähigkeit, mich sicher zu führen.
Vielleicht ist das die Einladung dieses Psalmwortes: Jeden Morgen neu zu beten: „Herr, zeige mir heute den Weg, den ich gehen soll.“ Nicht mit verkrampfter Sorge, sondern mit einem offenen Herzen. Nicht aus Angst, etwas zu verpassen, sondern aus der Gewissheit: Du meinst es gut mit mir.

Jürgen Wesselhöft