
Gemeinschaftspastor Jürgen Wesselhöft
Andacht Oktober
„Ich will nicht Herrscher über euch sein, und mein Sohn soll auch nicht Herrscher über euch sein, sondern der HERR soll Herrscher über euch sein.“ Richter 8,23
Mal wieder der Jüngste in der Familie wird herausgerufen; Gideon. Seine Familie gehörte zum Stamm Manasse; das war der kleinste Stamm des Volkes Israel. Gideon war echt unbedeutend. Nicht aber in Gottes Augen. Er wählte sich Gideon zum Richter in seinem Volk aus. Er sollte sie von den Midianitern befreien. „Siehe, ich habe dich gesandt!“
Tatsächlich geschieht es auch genauso. Gideon ist gut ausgerüstet: Mit Leidenschaft für den Auftrag, aber vor allem war er vom Geist Gottes erfüllt. Und tatsächlich: Gideon schlägt in der Nacht ein übergroßes Herr von 300 Midianitern. Kein Wunder, dass Israel begeistert ist von der Führungsqualität Gideons, der selbst an vorderster Front mitkämpft und eine kluge Strategie entfaltet. Sie wollen ihn zu ihrem Herrscher machen. „Sei du unser Herrscher, denn du hast uns aus der Hand der Midianiter befreit!“ Einstimmig wollen sie ihn zu ihrem König machen. Aber Gideon lehnt ab. Im Buch der Richter steht Gideons Antwort. Und die fällt eher unerwartet aus: „Ich will nicht Herrscher über euch sein, und mein Sohn soll auch nicht Herrscher über euch sein, sondern der HERR soll Herrscher über euch sein.“ (8,23)
Ein echt starker Charakter. Die Versuchung ist groß, aber die geistliche Dimension seines Lebens ist größer. Er weiß, dass er diesen Sieg nur Gott zu verdanken hat.
Denn der Sieg war eben doch sehr ungewöhnlich zustande gekommen. Da spielten nicht nur seine großartige strategischen Fähigkeiten die entscheidende Rolle, sondern Gott an seiner Seite. Eine sehr gesunde Selbsteinschätzung, die wir heutigen Entscheidungsträgern sehr wünschen. Er nutzt die Gelegenheit nicht für sich und seine Agenda aus. Er denkt an den und zeigt auf den, der wirklich geholfen und gesiegt hat.
Ich finde, es ist kein Wunder, dass Gideon einer der herausragenden Richter in Israel war. Er hatte immer beides: Den Blick auf Gott und den Blick auf sein Volk. Und den Auftrag Gottes im Herzen: „Geh hin in dieser deiner Kraft; du sollst Israel erretten aus den Händen der Midianiter. Siehe, ich habe dich gesandt.“
Nun gehe ich schwer davon aus, dass heute kein neuer Gideon diese Andacht hört. Aber Menschen, die wir auf die Hilfe unseres Gottes tagtäglich angewiesen sind. Vielleicht helfen uns auch diese Fragen: Wie ist das bei mir? Wem verdanke ich, was ich habe? Meiner eigenen Kraft, meinem eignen Können? Manches ganz bestimmt. Dafür können und sollen wir unserem Gott von Herzen dankbar sein, dass er mir diese Fähigkeiten gegeben hat.
Aber dann kommen die Dinge, an denen wir scheitern, weil sie zu groß sind, weil meine Kraft zu klein ist, oder was auch immer. Dann ist es eine gute geistiche Übung zu sagen: „Alles was ich habe und bin, verdanke ich der Gnade Gottes.“ Er soll auch der Herrscher über mein Leben sein. Warum? Ehre, wem Ehre gebührt.
